Viele Patchworkpaare erleben irgendwann genau diese Situation: Die Beziehung läuft eigentlich gut. Doch sobald es um die Kinder geht, entsteht Streit.
„Du bist zu streng.“ „Du lässt ihm alles durchgehen.“ „Bei meinen Kindern mischst du dich ständig ein.“ „Bei deinen darf man gar nichts sagen.“
Solche Konflikte wirken wie Erziehungsprobleme. Häufig steckt jedoch mehr dahinter.

Warum es so schnell persönlich wird
Kritik am Kind trifft die Elternrolle
Für den leiblichen Elternteil ist das eigene Kind emotional besonders wichtig. Kritisiert der neue Partner das Kind, kann das schnell wie Kritik an der eigenen Elternrolle wirken.
Der neue Partner will respektiert werden
Der neue Partner wiederum möchte respektiert werden und nicht das Gefühl haben, im eigenen Zuhause nichts sagen zu dürfen. So entstehen Machtkämpfe.
Elternverantwortung und gemeinsame Haushaltsregeln sind nicht dasselbe.
Monique Gerlach
Verantwortung und Grenzen sind zweierlei
Der leibliche Elternteil sollte besonders am Anfang die Hauptverantwortung für Erziehung und Konsequenzen tragen.
Der neue Partner darf aber selbstverständlich persönliche Grenzen haben. Zum Beispiel: „Ich möchte nicht angeschrien werden.“ „Wir räumen gemeinsam den Tisch ab.“ „In unserem Zuhause gehen wir respektvoll miteinander um.“
Schwierig wird es, wenn ein neuer Partner versucht, sofort dieselbe Autorität zu übernehmen wie der leibliche Elternteil. Beziehung sollte vor Erziehung kommen.
Gleichzeitig sollte der leibliche Elternteil den neuen Partner nicht alleinlassen. Sonst entsteht schnell das Gefühl: „Ich soll hier Familie sein, aber ich darf nichts sagen.“
Fragen für das Gespräch zu zweit
Hilfreich ist, Erziehungsfragen nicht mitten im Konflikt zu klären.
Was sind unsere gemeinsamen Regeln?
Was ist uns wirklich wichtig?
Wer übernimmt welche Verantwortung?
Wo unterscheiden wir zwischen meinem Kind, deinem Kind und unserem gemeinsamen Zuhause?
Nicht wer recht hat, sondern wer welche Rolle hat
Häufig wird eine Patchworkfamilie deutlich ruhiger, wenn nicht mehr darum gestritten wird, wer recht hat, sondern gemeinsam geklärt wird, welche Rolle eigentlich jeder in diesem Familiensystem hat. Unbewusst nutzen Kinder unterschwellige Unklarheiten und forcieren Streit mit ihrem Verhalten. Das funktioniert nur so lange, bis der strittige Punkt zwischen den Erwachsenen geklärt ist.

